[vOoDoOeCoN] voodoo economist 2008 a.d.

der fall nokia bochum – ein kommentar

Januar 18, 2008 · 1 Kommentar

um von anfang an eins klarzustellen: sicherlich ist es für jeden einzelnen entlassenen mitarbeiter der nokia werke bochum und auch die familien der entlassenen ein hartes los, wenn ihnen die einkommensquelle von einem auf den anderen tag entzogen wird. das hier menschen am rande ihrer existenz stehen ist mir vollkommen klar, und ich verstehe auch, dass sich die einzelnen betroffenen nicht mit diesem schicksal abfinden wollen. das ist auch richtig so.

aus der nüchternen distanz betrachtet und die perspektive der arbeiter außen vor lassend, sollte aber spätestens seit dem siemens/benq fall 2006 doch eigentlich jedem in deutschland klar sein: für die produktion von mobilfunkgeräten bietet deutschland internationalen unternehmen nicht die nötigen standortvorteile. die löhne sind im internationalen vergleich einfach zu hoch, um hier vor ort zu produzieren und übersteigen die transportkosten aus dem ausland. auch die zulieferindustrie ist schon seit jahren aus deutschland verschwunden.

es sind offensichtlich von seiten der politik viele versäumnisse gemacht worden. das stadium des technologiezyklus der mobiltelefone ist nicht richtig eingeschätzt worden. subventionen für technologien gegeben worden, die in deutschland ohnehin keine zukunft haben. zu guter letzt ist das thema nokia auch erst auf den tisch gekommen, als das kind schon in den brunnen gefallen war. in meinem augen hätte eine gute standortpolitik bedeutet, gezielt und regelmäßig mit den unternehmen zu sprechen, „kundenmanagement“ zu betreiben, unzufriedenheiten mit dem standort aufzudecken und diesen ggf. entgegenwirken.

am meisten unverständlich ist mir das verhalten einiger politiker, die sich in der not anderer wieder als retter hervortun wollen und die lage eigentlich nur noch verschlimmern. so wird gegen nokia derzeit eine hetzkampagne sonder gleichen in den medien betrieben. geholfen wird dadurch keinem. nokia wird nicht durch medialen durch zurückgeholt. ganz im gegenteil: der standort deutschland für die zukunft geschwächt. welches unternehmen wird denn in zukunft noch freiwillig nach deutschland ziehen, wenn es im falle einer anstehenden werkschließung oder freistellung von mitarbeiter mit derartigen imageschädigenden und erpresserischen konsequenzen, wie z.b. produktboykotten zu rechnen hat?

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